Reisebericht

 

„Einem Menschen zu helfen mag nicht die ganze Welt verändern, aber es kann die Welt für diesen einen Menschen verändern.“

 

Liebe Freunde und Spender unserer Stiftung,

 

nach über 2,5 Jahren haben wir Ende letzten Jahres für fünf Tage unsere Sozialeinrichtungen in Santo Domingo in Ecuador besucht. Wir, das sind Ralf, mein Ehemann und Kuratoriumsmitglied, unsere Tochter Ann-Kathrin, die sich ebenfalls sehr stark für soziale Zwecke engagiert und ich Karin, Vorstand der Stiftung.

 

Wir verbrachten dort vom 29.11.2021 bis 04.12.2021 eine wieder sehr erlebnisreiche,  interessante, aber auch nachdenkliche Zeit, die einen, auch wenn man wieder zu Hause ist, noch immer sehr bewegt. Man kann diese Zeit nicht einfach abschütteln und sofort so weitermachen wie vorher. Dafür haben sich die Erlebnisse zu stark eingeprägt. Was aber klar ersichtlich ist, der Eröffnungsspruch in diesem Brief trifft dort für unsere Hilfe zu. Wir  können nicht die ganze Welt retten, aber viele Einzelschicksale können wir verbessern.

 

Am 29.11.2021 kamen wir in Quito an und wurden vom Fahrer von Bischof Bertram Wick am Flughafen abgeholt. Die nächsten vier Stunden verbrachten wir im Auto auf dem Weg durch den Regenwald, bis wir schließlich abends in Santo Domingo ankamen.

Dort konnten wir wieder für die Zeit unseren Aufenthaltes im Bischofshaus wohnen. Um alle Sozialeinrichtungen zu besuchen, hatten Schwester Teresita und Bischof Bertram einen Zeitplan für uns erstellt.

 

So ging es gleich am nächsten Morgen um 9 Uhr mit dem Besuch der FASCA-Projekte los. Diese umfassen das Lebenszentrum (Mutter-Kind-Heim), Behinderteneinrichtungen, eine Kindertagesstätte und die Kinderheime “Casa Luca” und “Casa Annette”. Dort bemerkten wir, dass auch hier Corona das Leben bestimmt. Die Kindertagesstätte ist seit einem Jahr geschlossen. Die kleinen Kinder müssen seitdem in ihrer Familie betreut werden, was natürlich nicht so einfach ist, da sie dort auf sich selbst angewiesen sind. Man hofft, dass im neuen Jahr zumindest wieder ein Teil der Kinder im Heim aufgenommen werden kann. Das Kinderheim “Casa Annette” wird gerade renoviert. Durch die starke Feuchtigkeit, die das ganze Jahr im Regenwald herrscht, müssen die Gebäude in Santo Domingo wesentlich öfter gestrichen werden. Auch die anderen Kinderheime haben dieses Problem und haben damit angefangen die Außenfassaden mit Klinkersteinen gegen die Feuchtigkeit zu schützen. Den Kindern in den Heimen geht es sehr gut und sie werden liebevoll betreut und gut erzogen. Die größeren Kinder kümmern sich um die Kleinen und wir haben viele glücklich Kinder gesehen.

 

Mittags besuchten wir das Altenheim, in dem zur Zeit ca. 35 Personen wohnen. Da viele  Bewohner ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können, benötigen sie eine Rundumbetreuung. Mit viel Liebe versuchen die Pflegerinnen und Pfleger ihnen ein erträgliches Leben zu ermöglichen. Es wird gespielt, gebastelt und gesungen. Eine sehr große Aufgabe, aber sie wird mit Bravour gemeistert.

 

Am nächsten Tag holte uns Schwester Teresita, die Leiterin und gute Seele des Jungenkinderheimes ab und wir fuhren zu ihrem Heim, dem “Casa Hogar de Jesus”. Die Anlage ist sehr sauber und gepflegt. In den einzelnen Häusern leben sechs bis acht Jungs mit ihren Erzieherinnen. Die älteren Jungs leben in einem separaten Haus und müssen sich  selbst versorgen, um sich auf das Leben nach dem Kinderheim vorzubereiten, da sie mit 18 Jahren das Kinderheim verlassen müssen. Deswegen ist es für Schwester Teresita wichtig, dass die jungen Männer einen Beruf erlernen. Ein Junge macht gerade eine Bäckerlehre und ist daher auch im Heim für das ganze Brot verantwortlich, das jede Woche benötigt wird. Er backt es im Heim selbst und dadurch muss es nicht mehr gekauft werden. Ein anderer Junge lernt den Beruf des Landwirtes auf der Finca, die zum Jungenkinderheim gehört und arbeitet dort täglich.

Die Finca ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, auf der Obst- und Gemüsesorten für die Selbstversorgung und zum weiteren Verkauf angebaut werden. Auch etwas Viehbetrieb, wie Schweinezucht oder Hühner usw. gehören dazu. Dort haben wir die Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer zu einem Grillfest eingeladen. Es war ein toller Nachmittag, den wir mit allen erleben durften.

 

Für den kleinen 7-jährigen Jose war es der letzte Nachmittag im Heim, da seine Oma in Kolumbien gefunden wurde, wo bereits seine anderen Geschwister ihn erwarteten. Ausserdem wurde auch ein Säugling, der in einem Karton auf der Straße ausgesetzt worden war, von der Polizei gefunden und im Heim abgegeben. Jetzt lebt der kleine Junge bereits seit über einem Jahr im Heim.

 

Weiter ging es am nächsten Tag mit dem Mädchenkinderheim “Valle Feliz”, das von der polnischen Ordensfrau “Schwester Carmela” geführt wird. Auch hier erleben wir eine top gepflegte Anlage mit kleinen Häuschen, in denen die Mädchen mit Ihren Betreuerinnen leben. Schicksale gibt es hier auch , z. B.  zwei erst 14-jährige Mädchen, die nach einer Vergewaltigung mit ihren Babys zusammen im Heim aufgenommen wurden. Vom Erzeuger fehlt jede Spur und alle sagen nicht, aus Angst vor Schlägen und Jobverlust, gegen den Vergewaltiger aus. Mit viel Liebe und psychologischer Hilfe versucht man den Mädchen zu helfen.

 

Im Bischofshaus besuchten uns mittags dann diese Kinder, die ein Schulstipendium von uns erhalten. In Ecuador gibt es zwar eine Schulpflicht, aber viele können sich das Schul- und Lernmaterial nicht leisten. Alle bedankten sich für die Unterstützung und bei einzelnen Gesprächen teilten Sie uns ihre Noten und ihre Berufswünsche mit.

 

Am letzten Tag stand die Universität auf dem Programm. Die neue Direktorin bedankte sich für unsere schon langjährige Unterstützung und berichtete unter anderem über neue zweijährige Studiengänge im Bereich Bau und Pflege.

 

Den Abschied feierten wir dann mit einem Pizzaessen im Bischofshaus.

 

Wir können bestätigen, dass alle Spenden bei den Sozialeinrichtungen gut eingesetzt und verwendet wurden. Die Menschen, ob Kinder oder Senioren, werden gut betreut und versorgt.

 

Auch bedanken wir uns nochmal herzlich für alle Geld-und Sachspenden. Vor allem mit den aus Deutschland mitgebrachten  Kuscheltieren sorgten wir für ein Lächeln auf dem Gesicht der Kinder, an das wir heute noch gerne denken. Die ebenfalls an die Heime übergebene Kleidung wurde dankend angenommen, da damit einige Kinder neu eingekleidet werden konnten.

 

Seien Sie sich sicher, wir werden die nächsten Jahre mit voller Kraft weitermachen, die Einrichtungen regelmäßig besuchen und hoffen, dass wir auch weiterhin mit Ihrer  Unterstützung rechnen können.

 

Liebe Grüße

 

Karin Pfeifer

(Vorstand der Stiftung)